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Eine anerkannte Essstörung – und warum sie oft so lange unerkannt bleibt.
ARFID ist eine anerkannte Essstörung, auch wenn sie auf den ersten Blick oft nicht so wirkt.
Der Name steht für „Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder". Vereinfacht gesagt: Betroffene essen nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln oder vermeiden bestimmte Lebensmittel komplett.
Wichtig ist dabei: Es geht nicht um „nicht wollen". Sondern in erster Linie um „nicht können". Das Essen ist mit starken inneren Reaktionen verbunden, wie zum Beispiel Ekel, Angst oder Überforderung. Genau deshalb lässt sich ARFID auch nicht einfach durch „Probier doch mal" lösen.
ARFID ist außerdem eine noch relativ neue Diagnose. In Deutschland wird sie erst seit 2022 offiziell als eigenständige Essstörung geführt. Das erklärt auch, warum viele Betroffene lange nicht richtig verstanden wurden und warum das Thema für viele – auch häufig für Fachpersonen – immer noch neu ist.
ARFID kann sich ganz unterschiedlich zeigen.
Manche Menschen essen nur sehr wenige, ganz bestimmte Lebensmittel. Andere reagieren extrem sensibel auf Konsistenz, Geruch oder Aussehen von Essen. Typische Herausforderungen sind zum Beispiel:
Für Außenstehende wirkt das oft wie „extrem wählerisch" (das etwas bekanntere Picky Eating). Für Betroffene fühlt es sich aber ganz anders an. Es ist kein Trotz. Keine schlechte Gewohnheit. Sondern eine echte Belastung im Alltag.
Über ARFID gibt es viele falsche Vorstellungen. Zum Beispiel:
Solche Aussagen können für Betroffene und Familien sehr belastend sein. Denn sie setzen zusätzlich unter Druck und helfen meistens überhaupt nicht weiter.
ARFID ist keine Phase, die man einfach „aussitzen" kann. Und auch nichts, was mit Druck oder Zwang besser wird. ARFID hat auch nicht zwingend mit dem optischen Erscheinungsbild zu tun und führt nicht zwangsweise zu Mangelerscheinungen.
Ich kenne viele dieser Situationen aus meinem eigenen Leben. Dieses Gefühl, sich ständig erklären zu müssen. Dieses Anderssein beim Essen. Und diesen Druck von außen, der alles eher schwerer macht als leichter.
Vor allem aber kenne ich das Gefühl, im Gesundheitssystem nicht ernst genommen zu werden. Den Satz:
„Sie sehen nicht aus als hätten Sie eine Essstörung."
habe ich vor ca. 20 Jahren von meinem Arzt gehört und er wirkt bis heute nach. Auch das aus Verzweiflung angefertigte Blutbild kommentierte er nur mit:
„Ihr Blutbild sieht auch nicht aus, als hätten Sie eine Essstörung."
Deshalb ist es mir so wichtig, darüber aufzuklären. Damit mehr Verständnis entsteht und Betroffene weniger Druck verspüren.